8 Fragen, die du als Au-Pair der Gastfamilie stellen solltest

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Bevor du zu einer Gastfamilie Ja sagst, solltest du ihr selbst Fragen stellen — und zwar konkrete. Die richtigen Fragen schützen dich vor bösen Überraschungen und zeigen dir schnell, ob die Familie ehrlich, organisiert und ein guter Match für dich ist. Eine seriöse Familie beantwortet sie offen und freut sich, dass du dir Gedanken machst.
Ein Au-Pair-Jahr ist kein Job wie jeder andere — du ziehst in ein fremdes Zuhause, in eine fremde Stadt, oft in ein fremdes Land. Diese 8 Fragen helfen dir, vor der Zusage genau zu verstehen, worauf du dich einlässt. Stell sie ruhig schon im Video-Gespräch.
Die 8 wichtigsten Fragen vor der Zusage
1. Wie sieht ein typischer Tagesablauf aus?
Lass dir einen ganz normalen Wochentag schildern — von morgens bis abends. Warum das wichtig ist: Du erkennst sofort, ob deine Aufgaben realistisch verteilt sind oder ob die ganze Betreuung an dir hängen bleibt. Eine gute Antwort ist detailliert und ehrlich („Um 7 Uhr weckst du die Kinder, danach hast du bis mittags frei…“). Vage Antworten wie „Das ergibt sich“ sind ein Warnsignal.
2. Wie viele Stunden pro Woche — und welche Aufgaben genau?
Frag direkt nach der Wochenstundenzahl und einer konkreten Aufgabenliste. Warum das wichtig ist: In Deutschland sind höchstens 30 Stunden pro Woche und 6 Stunden pro Tag erlaubt. Eine gute Familie nennt dir eine klare Zahl und sagt offen, ob auch Kochen, Putzen oder Babysitting am Abend dazugehören. Achte darauf, dass leichte Hausarbeit nur für die Kinder gemeint ist — du bist kein Reinigungsdienst für den ganzen Haushalt.
3. Wie alt sind die Kinder und wie ist ihr Charakter?
Frag nach Alter, Anzahl, Persönlichkeit und besonderen Bedürfnissen jedes Kindes. Warum das wichtig ist: Ein Kleinkind verlangt etwas ganz anderes als zwei Schulkinder. Eine ehrliche Familie erzählt dir auch von den schwierigen Seiten („Unser Jüngster hat oft Wutanfälle“) — das ist ein gutes Zeichen. So weißt du vorher, ob die Betreuung zu deiner Erfahrung passt.
4. Wie sieht mein Zimmer aus — habe ich Privatsphäre?
Bitte um Fotos deines eigenen Zimmers und frag, ob es abschließbar ist. Warum das wichtig ist: In Deutschland hast du Anspruch auf ein eigenes, möbliertes Zimmer — kein Sofa, kein geteiltes Kinderzimmer. Eine gute Familie zeigt dir den Raum bereitwillig und respektiert, dass du Rückzug und Privatsphäre brauchst. Zögern bei dieser Frage ist ein deutliches Warnsignal.
5. Taschengeld, Sprachkurs-Zuschuss, freie Tage — steht das schriftlich fest?
Klär die Zahlen früh: In Deutschland sind 280 € Taschengeld im Monat und mindestens 70 € Sprachkurs-Zuschuss Pflicht, dazu mindestens 1,5 freie Tage pro Woche und 4 Wochen bezahlter Urlaub. Warum das wichtig ist: Eine seriöse Familie hält all das in einem Au-Pair-Vertrag fest. Wer dir mündliche Zusagen macht, sich aber weigert, etwas aufzuschreiben, riskiert spätere Streitigkeiten — zu deinen Lasten.
6. Wie komme ich herum — Öffis, Auto, Lage?
Frag, wo die Familie wohnt und wie du in deiner Freizeit wegkommst. Warum das wichtig ist: Ein Haus auf dem Land ohne Bus und ohne Auto kann sehr einsam werden. Kläre, ob es einen Nahverkehrsanschluss gibt, ob du ein Auto nutzen darfst und wer das Ticket zahlt. So weißt du, ob du Sprachkurs, neue Freunde und ein eigenes Leben überhaupt erreichen kannst.
7. Hattet ihr schon Au-Pairs — darf ich mit einem sprechen?
Frag nach früheren Au-Pairs und bitte um einen Kontakt. Warum das wichtig ist: Niemand kann dir die Familie ehrlicher beschreiben als jemand, der schon dort gelebt hat. Eine gute Familie stellt den Kontakt gern her. Eine Familie, die ausweicht oder bei der jedes Au-Pair früh abgereist ist, verdient genaueres Nachfragen.
8. Wie regeln wir Konflikte und Probleme?
Frag, wie die Familie mit Meinungsverschiedenheiten umgeht und an wen du dich wenden kannst, wenn etwas nicht passt. Warum das wichtig ist: Probleme gehören zu jedem Zusammenleben — entscheidend ist, wie offen man darüber spricht. Eine reife Antwort („Wir setzen uns einmal pro Woche zusammen und sprechen alles an“) zeigt dir, dass du gehört wirst, wenn es einmal schwierig wird.
Werde hellhörig, wenn eine Familie bei Stunden, Geld oder deinem Zimmer ausweichend antwortet. Sätze wie „Das machen wir locker“ oder „Darüber reden wir, wenn du da bist“ klingen freundlich, schieben aber genau die Punkte auf, die schriftlich geklärt sein müssen. Eine seriöse Familie gibt dir hier klare, konkrete Antworten — vor der Zusage, nicht danach.
Warum diese Fragen dich schützen
Fragen zu stellen ist kein Misstrauen — es ist professionell. Du triffst eine der größten Entscheidungen deines Jahres, und du hast jedes Recht, vorher Klarheit zu haben. Familien, die sich über deine Fragen freuen, sind fast immer die guten. Wer dagegen genervt reagiert, zeigt dir schon vor dem Einzug, wie er später mit deinen Anliegen umgeht.
Notiere dir die Antworten und vergleiche mehrere Familien in Ruhe. Und denk daran: Du wählst genauso aus, wie du ausgewählt wirst. Ein gutes Au-Pair-Jahr beginnt mit ehrlichen Antworten auf ehrliche Fragen.