Au-Pair aufnehmen: Der Leitfaden für Gastfamilien

AuPairMatch
7 Min. Lesezeit
Ratgeber für Familien
Two women warmly greet visitors at a community event in Ciudad de México with signs saying 'Bienvenidos' and 'Estás en Casa'.

Photo: Israel Torres / Pexels

Ein Au-Pair aufzunehmen heißt: Ein junger Mensch aus dem Ausland lebt für einige Monate als Familienmitglied bei euch, betreut eure Kinder in begrenztem Umfang und lernt eure Sprache und Kultur kennen. Ihr bietet Zimmer, Essen, Taschengeld und Anschluss.

Dieser Leitfaden ist für Familien, die zum ersten Mal darüber nachdenken. Er beantwortet die großen Fragen – passt das zu uns, was müssen wir bieten, wie läuft es ab, was kostet es – und führt euch zu den Detail-Artikeln, wenn ihr tiefer einsteigen wollt.

Was ein Au-Pair ist – und was nicht

„Au pair“ kommt aus dem Französischen und bedeutet „auf Gegenseitigkeit“. Genau das ist der Kern: ein kultureller Austausch. Das Au-Pair bringt seine Sprache, seine Geschichten und seine Neugier mit, unterstützt euch bei der Kinderbetreuung und bekommt dafür ein Zuhause auf Zeit, Taschengeld und die Chance, ein neues Land von innen kennenzulernen.

Ein Au-Pair ist deshalb keine Haushaltshilfe und kein Ersatz für eine Nanny oder die Kita. Die Stunden sind begrenzt, die Freizeit ist geschützt, und der Sprachkurs gehört fest dazu. Wer eine Vollzeit-Betreuung für ein Baby oder jemanden zum Putzen, Kochen und Einkaufen sucht, wird mit einem Au-Pair nicht glücklich – und das Au-Pair mit euch auch nicht.

Einen europaweit einheitlichen Rahmen gibt es nicht. Jedes Land regelt selbst, ob und wie es Au-Pairs zulässt. Deshalb unterscheiden sich Stunden, Taschengeld und Versicherung von Land zu Land deutlich – mehr dazu weiter unten.

In Deutschland nennt die Bundesagentur für Arbeit neben der Kinderbetreuung auch „leichte Haushaltstätigkeiten im Zusammenhang mit den Kindern“ – also etwa das Frühstück der Kinder vorbereiten oder das Kinderzimmer mit aufräumen. Der Haushalt der ganzen Familie gehört nicht dazu.

Passt ein Au-Pair zu eurer Familie?

Ehrliche Antworten auf diese Fragen sparen euch später viel Stress:

  • Habt ihr ein eigenes Zimmer? Ein Au-Pair braucht einen privaten Rückzugsort, kein Schlafsofa im Wohnzimmer.
  • Reicht die Stundenzahl? Rechnet euren Betreuungsbedarf pro Woche aus und vergleicht ihn mit der Obergrenze eures Landes. Ein Au-Pair ergänzt Kita, Schule und euch – es ersetzt sie nicht.
  • Wollt ihr jemanden am Familienleben teilhaben lassen? Gemeinsame Mahlzeiten, Ausflüge, Gespräche am Küchentisch: Das ist der Teil, der den Austausch ausmacht.
  • Habt ihr Zeit für den Anfang? Die ersten Wochen brauchen Einarbeitung, Geduld und viele Erklärungen.
  • Seid ihr offen für eine andere Kultur? Andere Essgewohnheiten, ein anderer Humor, manchmal Heimweh – das gehört dazu.

Wenn ihr bei den meisten Punkten „ja“ sagt, stehen die Chancen gut, dass ein Au-Pair eure Familie bereichert.

Was ihr als Gastfamilie bietet

  • Ein eigenes Zimmer mit Bett, Schrank, Schreibtisch, Licht und WLAN.
  • Verpflegung: Das Au-Pair isst mit euch und bedient sich im Alltag wie ein Familienmitglied.
  • Taschengeld jeden Monat – wie viel, legt das jeweilige Land fest (siehe Tabelle).
  • Unterstützung beim Sprachkurs: Zeit für den Kurs und je nach Land auch Geld. In Deutschland beteiligt sich die Familie mit 70 € im Monat an den Kurskosten.
  • Versicherung: Wer sie zahlt, ist je nach Land unterschiedlich geregelt.
  • Freizeit und Urlaub: feste freie Tage pro Woche und bezahlter Urlaub. In Deutschland sind das 1,5 freie Tage pro Woche und 20 Urlaubstage.
  • Anschluss: Ihr nehmt das Au-Pair mit in euren Alltag, helft beim Ankommen und seid ansprechbar, wenn etwas schiefläuft.

Welche Pflichten in Deutschland im Detail gelten, steht in unserer Checkliste für Gastfamilien in Deutschland.

Von der Entscheidung bis zur Ankunft

1

Bedarf und Rahmen klären

Welche Stunden braucht ihr, ab wann und wie lange? Welche Sprache soll gesprochen werden? Braucht das Au-Pair einen Führerschein? Prüft die Regeln eures Landes, bevor ihr sucht.

2

Familienprofil anlegen

Beschreibt ehrlich euren Alltag: Kinder und ihr Alter, Wohnort, Zimmer, Arbeitszeiten, freie Tage und Taschengeld. Fotos vom Au-Pair-Zimmer helfen sehr.

3

Suchen und anschreiben

Auf einer Selbstsuche-Plattform wie AuPairMatch sucht ihr selbst und schreibt Au-Pairs direkt an. Agenturen übernehmen Vorauswahl und Papierkram gegen Gebühr. Viele Familien nutzen mehrere Wege parallel.

4

Per Video kennenlernen

Mindestens ein ausführliches Gespräch, am besten auch mit den Kindern. Stellt konkrete Fragen zu Erfahrung, Erwartungen und Alltag.

5

Vertrag schriftlich festhalten

Stunden, Aufgaben, freie Tage, Taschengeld, Sprachkurs, Versicherung und Kündigung. In Deutschland gibt es dafür einen amtlichen Mustervertrag.

6

Einreise und Papiere

EU-Bürgerinnen und -Bürger brauchen meist nur eine Anmeldung. Au-Pairs von außerhalb der EU brauchen je nach Land ein Visum oder eine Erlaubnis – das dauert oft Wochen, also früh beginnen.

7

Ankunft vorbereiten

Zimmer einrichten, Wochenplan schreiben, Sprachkurs heraussuchen, Schlüssel und Fahrkarte besorgen, wichtige Nummern aufschreiben.

Für das Kennenlernen haben wir eine Liste mit Fragen, die Gastfamilien Au-Pair-Kandidaten stellen sollten. Und für die Zeit nach der Ankunft gibt es die Checkliste für die ersten vier Wochen.

Die Regeln unterscheiden sich von Land zu Land

Wie viele Stunden ein Au-Pair betreuen darf, wie viel Taschengeld es bekommt und wer die Versicherung zahlt, entscheidet jedes Land selbst. Die Tabelle zeigt fünf Länder mit offiziellem Au-Pair-Programm, jeweils nach amtlichen Quellen (Stand September 2026).

LandStunden pro Woche (max.)Taschengeld pro MonatVersicherung
Deutschland30 (höchstens 6 pro Tag)mindestens 280 €zahlt die Gastfamilie
Frankreich25mindestens 320 €gesetzliche Sozialversicherung
Niederlande30 (höchstens 8 pro Tag)höchstens 340 €zahlt das Au-Pair
Österreich16,5mindestens 551,10 €gesetzliche Sozialversicherung
Belgien20 (höchstens 4 pro Tag)mindestens 450 €zahlt die Gastfamilie

Achtung Niederlande: Die 340 € sind ein Höchstbetrag, kein Mindestbetrag. Mehr Taschengeld ist dort nicht vorgesehen – klärt Details mit der niederländischen Einwanderungsbehörde IND.

Alle Zielländer mit Alter, Sprachkurs, Vertrag und Visum findet ihr in unserer Länderübersicht. Dort stehen auch Italien und Spanien, wo es kein eigenes Programm gibt und das Taschengeld zwischen Familie und Au-Pair vereinbart wird.

Was kostet ein Au-Pair?

Das Taschengeld ist nur ein Teil der Rechnung. Dazu kommen je nach Land Versicherung, Beitrag zum Sprachkurs, Fahrkarte, Verpflegung, ein etwas höherer Verbrauch im Haushalt und eventuell Vermittlungsgebühren, wenn ihr eine Agentur beauftragt. Einen ehrlichen Überblick über ein ganzes Jahr gibt euch unser Artikel Was ein Au-Pair-Jahr wirklich kostet.

Bei der Versicherung lohnt sich ein genauer Blick, denn in Deutschland und Belgien zahlt die Gastfamilie. Was ihr abschließen solltet, erklärt Au-Pair-Versicherung: Was Gastfamilien brauchen.

AuPairMatch ist in der Gründungsphase für Gastfamilien und Au-Pairs kostenlos. Ihr legt ein Profil an, seht über den Match-Score, wer zu euch passt, schreibt im Chat mit automatischer Übersetzung und lernt euch nach dem Match per Video-Meeting in der App kennen. Wir sind keine Agentur und prüfen keine Ausweise – das Kennenlernen liegt bei euch.

Bereit für euer erstes Au-Pair?